Das Weinjahr 2018

Das Weinjahr 2018

Kein Jahr für schwache Nerven

Am Anfang jedes Weinjahres, das im November nach der Lese beginnt, steht immer die Hoffnung auf etwas Besonderes. Ein Jahr Arbeit im Weinberg liegt vor dem Winzer - Vorfreude und Bangen.

Der Winter war nass und nicht zu kalt, das Frühjahr regnerisch bis in den April. Die Wasserspeicher  unserer Weinberge waren gut gefüllt. Dann, eine Woche nach Ostern, beginnt übergangslos der Sommer. Sonne pur, Hitze, Trockenheit bis in den Oktober, nur unterbrochen von einigen Gewittern (die uns gottlob keine Unwetter brachten, wie in manch anderen Regionen). Der Verein zur Hagelabwehr, mit seinen beiden Fliegern in Schweighofen (Südpfalz) und Bad Dürkheim hatte im Sommer 2018 insgesamt 42 (!) Einsatzflüge, die sehr erfolgreich waren. Wenn überhaupt, kam nur noch kleinkörniger, unschädlicher Hagel am Boden an.

Es zeigte sich in diesem extremen Jahr, wie vorzüglich unsere ökologisch bewirtschafteten Böden die Rebwurzeln auch noch unter schwierigsten Bedingungen versorgen kann: Eine kurze, wenn auch abgetrocknete, Begrünung beschattet den Boden. Die absterbenden Wurzeln der Begrünungspflanzen wirken wie Bohrlöcher im ausgetrockneten Erdreich, über die jeder Tropfen Wasser versickert und damit der Rebe zur Verfügung steht. Durch den Verzicht auf mineralische Düngung wird die Pflanze widerstandsfähiger, das Ertragsniveau ist moderat. Weniger Beeren können unter Stressbedingungen besser mit Nährstoffen und Wasser versorgt werden.

Die Hitze und die Trockenheit waren unglaublich, der Sommer 2018 schien kein Ende zu nehmen. Kein Tief in Sicht, das Abkühlung und etwas Regen hätte bringen können. Die Reben steckten die extreme Sonneneinstrahlung, bis auf einige Junganlagen die weniger tief wurzeln, erstaunlich gut weg. Die Blüte begann noch im Mai, Reifebeginn Ende Juli – es war der Wahnsinn!

Das größte Problem bereitete die Terminierung der Lese. Die Hitze und die hohen Nachttemperaturen verstoffwechseln die Säure in den Trauben. Späte Lese ergibt dann eher südländisch geprägte Weine mit viel Alkohol und wenig Säure. Andererseits möchte man aber auch nicht zu früh lesen und die Aromareife der Trauben abwarten. Da hilft eigentlich keine Mostgewichtsbestimmung und nicht das Messen der Säurewerte, da war schlicht und einfach das Probieren der Beeren gefragt.

Für uns war es dann am 20. August (!) so weit, dass wir mit der Lese begannen. So früh wie noch nie, bei Temperaturen von annähernd 30 Grad im Schatten. So etwas hat man noch nicht erlebt: Ausschließlich kerngesunde Trauben und die Erntehelferinnen arbeiteten teilweise im Bikini. Rote Spätburgunderbeeren, die der direkten Sonneneinstrahlung ausgesetzt waren, hatten teilweise 50 Grad, als sie auf die Kelter kamen. Mikrobiologisch war das sehr gefährlich für die Moste, unsere Kühlanlage lief daher wochenlang am Limit. Die Handlese in kleine Kisten, wie wir es generell machen, war da natürlich ein großer Vorteil. Da gibt es keine Beeren, die im eigenen Saft stehen und bei den vorherrschenden hohen Temperaturen viele Gerbstoffe und Mineralien lösen, die dann zu Bittertönen und Säureverlusten führen. Wir konnten teilweise sogar die an den heißen Nachmittagen gelesenen Trauben in den Kisten stehen lassen, damit sie über Nacht etwas abkühlen konnten, bevor sie gepresst wurden. Es war krass, fast unwirklich, aber irgendwie auch ein ganz neues Erlebnis. Nach knapp vier Wochen war die Lese beendet, es gab nur einen regenbedingten Ausfalltag.

Die Weine entwickeln sich großartig. Vom Gutsriesling Kabinett (leicht, fruchtig, knackige Säure), bis zum opulenten Gewürztraminer mit über 100 Grad Oechsle hat der Jahrgang alles zu bieten. Die Sektgrundweine sind total frisch, mit knackiger Säure und versprechen einen supertollen Crémant-Jahrgang 2018.

Vielleicht unverschämt, aber wenn es ginge, würden wir den Jahrgang 2018 dieses Jahr am liebsten gleich noch einmal buchen! Wir laden Sie ein diesen Jahrgang bei unserer Jahrgangspräsentation am 30. März Revue passieren zu lassen.